Wohnungsbau auf dem Areal der ehemaligen Brauerei Braugold

 

 

Neubau von 226 Miet- und Eigentumswohnungen
Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichts

Städtebaulich überzeugt der Entwurf durch die klare Gliederung von geschlossenem Blockrand und den sieben Einzelbaukörpern im Blockinneren. Dabei werden vier Bestandsgebäude geschickt durch drei Neubauten ergänzt.
Der zentrale Gedanke von Öffnungen zur Schillerstraße und zur Robert-Koch-Straße setzt die historischen Gebäude effektvoll in Szene. Entlang des Geländeversprungs in Ost-West-Richtung wird eine Fußverbindung geführt, die die Trennung zwischen den unterschiedlichen Geländeniveaus bildet. Bestimmendes Element des Entwurfs ist der Platz mit Tamariskenhain, der über den Parkdecks in der ehemaligen Produktionshalle entsteht. Dies schafft eine gute Maßstäblichkeit der Räume und sehr vielfältige Blickbeziehungen, die einer Abfolge von vier Plätzen in Nord-Süd-Richtung eine hohe räumliche Qualität verleihen.
Punktuell führt die 5- bis 8-geschossige Bebauung im Blockinnenbereich zu einer deutlichen Überschreitung der Abstandsflächen.
Durch die Setzung unterschiedlicher Gebäudetypologien werden verschiedene Wohnmilieus geschaffen; zum einen urbanes Wohnen an den zentralen Plätzen des Baufelds 2 und geschütztes Wohnen im begrünten Blockinnenraum der Baufelder 1 und 3. Dies widerspiegelt die Typologie von Zweispännerwohnungen im Blockrand, Mehrspännerlösungen in den Solitärbauten und Laubengang im Patiohaus des ehemaligen Gärhauses.
Die Idee des Parkens im Gewölbe und in der ehemaligen Produktionshalle führt den historischen Kellerbestand einer sinnvollen Nutzung zu. Durch die Nutzung des ehemaligen Maschinenhauses als Vila Macchina und durch die Ausbildung von Maisonettewohnungen im Aufbau der ehemaligen Schwankhalle sowie durch die Gewerbenutzung im Untergeschoss gelingt ein sensibler Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäudebestand.
Die Gestaltung der Fassaden und die differenzierte Höhengliederung der einzelnen Baukörper thematisieren die Neubauten, indem eine zeitgemäße Ergänzung des Quartiers gelingt und die Identität des Bestands gewahrt bleibt.
Mit 19.268 m2 Wohnfläche und 226 Wohneinheiten erreicht der Entwurf eine überdurchschnittliche Flächeneffizienz. Herausragend ist die hohe Anzahl möglicher Stellplätze mit 340 Stück. Dadurch ergibt sich voraussichtlich eine im Verhältnis zu den Mitbewerbern gute Wirtschaftlichkeit.
Die Kompaktheit der Baukörper entspricht dem Grundsatz des geringen Bauflächenverbrauchs und stellt damit ein gutes Verhältnis von Nutzflächen zu Gebäudevolumen sicher.
Die insgesamt sorgfältige und vertiefte Durcharbeitung lässt Potenzial für eine gute Fortentwicklung und Ausarbeitung des Entwurfs im Falle einer Realisierung erwarten. Bei der weiteren Planung ist auf eine stärkere Ausdifferenzierung von öffentlichen und privaten Außenflächen zu achten. Damit ist dem Bedürfnis der Bewohnerschaft nach Ungestörtheit und Sicherheit im Außenraum Geltung zu verschaffen.
Ergänzende Anmerkungen aus Sicht der Denkmalpflege:
Der Beitrag wird denkmalpflegerisch als sehr akzeptabel eingeschätzt, allerdings werden in der weiteren Bearbeitung Verbesserungen in städtebaulich-denkmalpflegerischer Hinsicht empfohlen.
Gelungen ist der Umgang mit der hist. Industriearchitektur (Erscheinungsbild und Substanz); so z. B. Patio-Lösung des Gärhauses sowie Wahrung des Mansarddaches und innerer Strukturen. Die architektonische Integrität des hist. Bauwerks bleibt erhalten. Hier sind in der weiteren Bearbeitung nur punktuelle und absehbar überschaubare Verbesserungen nötig. Das Maß der Eingriffe in die Kelleranlagen erscheint akzeptabel, vor allem weil man die konkrete Einbeziehung dieser Räume in die Nutzung als positiv einschätzen sollte. In städtebaulich-denkmalpflegerischer Hinsicht (Verhältnis Alt- und Neubebauung, Wahrnehmbarkeiten) wird der Beitrag grundsätzlich gelobt. Hervorzuheben ist die kontrastierende Fassadenmaterialwahl für die Bauten in Innen- und Blockrandbereich und auch die wichtige Reminiszenz an die Ensemblesilhouette durch Erhaltung des Kesselhausturmes. Überarbeitung wird hinsichtlich des achtgeschossigen Hochpunktes empfohlen, weil er die hist. Dominate des Areals, das Sudhaus, mindert. Weiterhin wird empfohlen, das Auftaktgebäude an der Schillerstraße hinsichtlich seiner städtebaulichen Einpassung in die dortige straßenbegleitenden Baustrukturen zu überprüfen.

Pressebericht Immobilien Zeitung 27. September 2018